Hornberger Lebensquell – eine sensationelle Entdeckung

Eigentlich wollten wir, die Brauereifamilie Ketterer, auf dem Kapfwaldberg hoch über der Stadt Hornberg im Schwarzwald gelegen, eine altbekannte Wasserquelle für die Brauwasserversorgung unserer Familienbrauerei M. Ketterer neu fassen.

Wie findet man eine Quelle?

1. Aus dem Berghang plätschert seit langer Zeit sehr gutes Wasser in eine einfache Quellfassung, aus der Höfe auf dem Kapfwaldberg versorgt werden. Um diese Fassung neu aufzubauen, sollte der Hang bis zum Felsen freigelegt und eine klassische Quellwasserfassung gebaut werden.

4. Nachdem die Mauer abgetragen wurde, war die Sensation perfekt: Wir hatten einen Stollen entdeckt, der etwa 2m hoch und 1m breit ist und sagenhafte 140m weit waagrecht in den Berg hinein führt.

2. Anstatt jedoch nach wenigen Metern auf Fels zu stoßen, musste der Bagger tagelang riesige Berge an Erde beiseite räumen. Bald hätte ein Mehrfamilienhaus in der Grube Platz gehabt. So etwas hatte noch keiner der Brunnenbauer erlebt.

5. In diesem Umfeld gab es zu keiner Zeit Bergbau. So war bald klar, dass der Stollen allein mit dem Ziel der Wassergewinnung angelegt worden war. Aber von wem und warum? Fragen, die bis heute noch nicht vollständig geklärt werden konnten.

3. Nach 14 Tagen wurde endlich der Felsen erreicht. Die Arbeiter stießen auf einen Stolleneingang, der mit Sandsteinen zugesetzt war.
Die Anspannung stieg - was hatte das zu bedeuten?

6. Eines jedoch hatten wir schon in den ersten Stunden nach der Entdeckung begriffen: Hier entspringt kristallklares und herrlich schmeckendes Wasser direkt aus verschiedenen Klüften im Gestein. Wir hatten einen „Wasserschatz“ entdeckt.


Von den Römern gebaut

Inzwischen wurde der Wasserstollen archäologisch untersucht. Es stellte sich heraus, dass er komplett von Hand, also mit Eisen und Schlägel, aus dem Felsen geschlagen wurde. Es muss etwa 25 Jahre (!) gedauert haben, den Stollen anzulegen. Löcher zum Einlegen von Querhölzern, für Grubenlampen und zur Vermessung sowie das Profil im Sandstein zeigen typisch römische Tunnelbaukunst. Vergleicht man römische Aquädukttunnel in Frankreich mit dem entdeckten Quellstollen, erkennt man, dass deren Bauart übereinstimmt.

Genial ist die Platzierung des Stollens gewesen: Er liegt genau an der Trennlinie zwischen dem Sandstein und dem darunter liegenden, wasserundurchlässigen Granit. Damit konnte die optimale Wassermenge gewonnen werden. Der Stollen wurde nicht zur Gewinnung von Erz angelegt, sondern ausschließlich, um an das herrliche Wasser zu kommen. Einen solchen Aufwand zur Wassergewinnung haben in der Geschichte nur die Römer getrieben.

Aber wer war der Bauherr? Nach derzeitigem Kenntnisstand kommt die Römerstadt Arae Flaviae (Rottweil) in Frage. Eine archäologische Machbarkeitsstudie einer Wasserleitung nach Rottweil zeigt, dass eine solche möglich und für die römischen Militäringenieure auch umsetzbar gewesen wäre. Es fehlen allerdings die Fundnachweise einer solchen römischen Wasserleitung im mittleren Schwarzwald.

Es ist jedenfalls sehr beeindruckend, welchen immensen Aufwand unsere Vorfahren getrieben haben, um an erstklassiges Wasser zu gelangen. Wir, die Familie Ketterer, fühlen uns verpflichtet alles zu tun, diesen Schatz der Natur für kommende Generationen zu sichern.